Grußwort von Bischof em. Paul-Werner Scheele - Schirmherr für die Fundraising-Aktion Bonhoeffer-Gemeindehaus

Liebe St. Matthäus-Gemeinde,

Sie haben sich viel vorgenommen. Die Neugestaltung des Bonhoeffer-Gemeindezentrums fordert den Einsatz aller Kräfte. Nicht nur Architekten und Handwerker sind gefragt, nicht nur ein kleiner Kreis ihrer Repräsentanten, nein, jedes einzelne Gemeindemitglied ist aufgerufen, seinen Beitrag zu leisten. Dabei kann Ihnen der Patron des Projektes Dietrich Bonhoeffer ein guter Helfer sein. Durch sein Leben und Wirken kann er Ihnen vor Augen führen, was eine Gemeinde ist und wozu jedes ihrer Glieder berufen ist. Besonders als Beter kann Dietrich Bonhoeffer unser aller Vorbild sein. Das zeigen insbesondere die Texte, die er im Gefängnis niedergeschrieben hat. Ihm war daran gelegen, auch seinen Mitgefangenen zum rechten Beten zu verhelfen. So hat er Weihnachten 1943 Gebete für sie verfasst. Am Anfang stehen Worte, die seiner Situation und jener der Mitgefangenen entsprechen: „In mir ist es finster, aber bei dir ist das Licht; ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht; ich bin kleinmütig, aber bei dir ist die Hilfe; ich bin unruhig, aber bei dir ist der Friede; in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist die Geduld; ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den Weg für mich.“ 

Diese Worte sind zugleich ein Glaubensbekenntnis. Das gilt auch für die Verse, die Bonhoeffer Silvester 1944 verfasst hat: „Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Das Gedicht, das sie beschließen, hat auch im katholischen Gesangbuch seinen Platz gefunden. Katholiken singen es sehr gerne. Das ist ein Zeichen für unsere ökumenische Verbundenheit. Dietrich Bonhoeffer hat sich schon früh für sie eingesetzt. Er ist ein Pionier der Ökumene. Möge das neue Zentrum als Stätte der Begegnung und der Gemeinschaft dem Willen des Herrn dienen, dass alle eins seien. 

Bischof em. 

Paul-Werner Scheele