2. Station - Die Thorarolle

Da im goldenen Rahmen sehen Sie eine Thorarolle. Aber nur ein kleines Stück davon. Sie stammt noch aus der Synagogenzeit und enthält Abrahams Fürbitte für die Stadt Sodom aus 1.Mose 18. 

Die Thora ist das Heiligste bei den Juden, auf kostbares Papier oder Pergament geschrieben und umfasst das, was wir in der Kirche „Die fünf Bücher Mose“ nennen.  

Im Gottesdienst am Sabbat wird die Thora auf ein Lesepult getragen, aufgerollt, und ein Gemeindeglied darf daraus vorlesen. Dabei hält er einen silbernen Stift in der Hand, damit er die Zeilen nicht verwechselt und den Heiligen Text mit seinem Finger nicht berühren muss. Hat er seinen Abschnitt vorgetragen, wird die Rolle zusammengerollt und in den Thoraschrank gestellt. Der war früher dort, wo heute das mittlere Fenster an der Ostseite der Kirche ist.

Am 9.November 1938 ist hier etwas Schreckliches passiert:

Männer aus Höchberg und Umgebung haben die Türe eingedrückt, Bänke und Fenster zerschlagen und die Thorarollen aus dem Schrank gerissen. Eine Frau aus Höchberg, damals ein kleines Mädchen, hat mir erzählt, wie die Männer die Thorarollen angezündet und die Brunnengasse hinuntergerollt hätten! Ein Jude wollte sie vom Boden aufheben, aber man hat ihm auf die Hände getreten. 

Das war eine böse Zeit, die wir nicht vergessen dürfen. 

Gott vergebe uns die Schuld an seinem Volk und sei uns gnädig und barmherzig.

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